Ambulante Botulinumtoxin-Therapie bei Blasenschwäche

Seit Neuestem können die Uro-Praxen Blasenschwäche mit der Injektion von Botulinumtoxin therapieren. Warum das aus der Schönheitschirurgie bekannte Botox optimal für die ambulante Behandlung von Blasenschwäche ist und wodurch Blasenschwäche eigentlich hervorgerufen wird, erklärt unser Urologe Björn P. Verdang.

Blasenschwäche weit verbreitet

Blasenschwäche ist ein belastendes Symptom und weit verbreitet. „Rund 17 Prozent der Menschen entwickeln im Laufe Ihres Lebens eine überaktive Blase.“, erklärt Urologe Björn P. Verdang. Die Gründe für eine Blasenfunktionsstörung, wie eine überaktive Blase oder eine nervenbedingte, neurogene Blasenentleerungsstörung sind vielfältig. So können beispielsweise unfallbedingte Nervenschädigungen oder neurologische Erkrankungen wie ein Schlaganfall, Morbus Parkinson oder Multiple Sklerose plötzlichen Harndrang hervorrufen. Ab der 3. bis 5. Lebensdekade tritt Blasenschwäche vermehrt auf, Frauen sind dabei in der Regel häufiger betroffen.

Verdang, der seit 2016 Teil des Uro-Praxen-Teams ist, präzisiert das häufigere Auftreten bei Frauen: „Das Beschwerdebild kann beispielsweise durch gehäufte Blasenentzündungen oder aufgrund einer Senkblase nach mehrfachen Geburten hervorgerufen werden.“ Nach mehrfachen Geburten sei der Beckenboden nicht mehr so straff. Eine Folge kann eine Beckenbodensenkung sein. Letztendlich könne eine Blasenschwäche durch viele Umstände ausgelöst werden. Auch idiopathisch, sprich ohne erkennbare Ursachen, erörtert Verdang.

Wann wird Blasenschwäche mit Botox behandelt?

„In der Regel versuchen wir eine Blasenschwäche mittels Krankengymnastik oder auch medikamentös zu behandeln.“, sagt Björn P. Verdang und führt weiter aus: „Aber wenn diese wegen Nebenwirkungen nicht vertragen wird oder wenn die gewünschte Wirkung nicht eintritt, bietet sich die Botox-Behandlung der Blase an.“ Botulinumtoxin (Botox) hemmt die synaptische Erregungsübertragung vom Nerv zu den Muskelzellen der Harnblasenmuskulatur, sodass die Muskelkontraktion schwächer wird. „Wenn man so möchte, wird der Blasenmuskel – der Detrusor – ein wenig ausgebremst und unterdrückt.“, so Verdang über die Wirkung von Botox, welches vor allem aus der Schönheitschirurgie bekannt ist und vom Körper langsam wieder abgebaut wird.

Wie läuft die Behandlung ab?

Die Behandlung findet üblicherweise unter örtlicher Betäubung statt, kann im Bedarfsfall jedoch auch in Kurznarkose erfolgen. Über einen dünnen Einmalkatheter wird eine Betäubungslösung in die Blase gespült, diese Lösung bleibt 20 Minuten im Körper. Der Patient kann in der Zwischenzeit entweder liegenbleiben oder sich in der Praxis bewegen. Dann wird eine Blasenspiegelung gemacht. Björn P. Verdang erklärt den Behandlungsablauf: „Das funktioniert ähnlich wie ein Ultraschall beim Frauenarzt. Man führt ein Endoskop über die Harnröhre in die Harnblase ein. Unter Sichtkontrolle kann durch das Endoskop von außen ein dünner und biegsamer Katheter eingeführt werden, an dessen Spitze sich eine kleine Injektionsnadel befindet.“

„Unter Sicht führt man die Nadel in die Blasenschleimhaut ein“ erörtert Verdang die eigentliche Botox-Injektion via Endoskop, denn: „dort liegt die Muskelschicht der Blase. So können wir dort die verdünnte Botox-Lösung gleichmäßig verteilen. Das dauert in der Regel fünf Minuten. Nach dem Eingriff wird kein Harnkatheter oder eine Wunddrainage eingelegt. Die Patientinnen und Patienten können danach nach Hause, dürfen Essen und Trinken und Duschen – im Grunde alles machen.“

Vorteile und Kosten der Botox-Behandlung

„Das ist ein kleiner, unkomplizierter Eingriff. Wir sind froh, dass wir das jetzt ambulant bei uns durchführen können.“, sagt Björn P. Verdang. Früher war die Behandlung mit viel Aufwand für einen kleinen, letztendlich fünf Minuten dauernden Eingriff verbunden, erinnert sich der Facharzt: „Man musste für zwei Tage ins Krankenhaus, aus dem einfachen Grund, weil die Kosten ansonsten von den Krankenkassen nicht erstattet wurden.“ Das ist heute anders: Die Botulinumtoxin-Therapie ist eine Kassenleistung und in der Regel unbedenklich. „Das Schöne daran ist, dass man den Eingriff problemlos wiederholen kann.“, führt Verdang aus. Denn das Botox wird vom Körper in der Regel binnen neun Monaten abgebaut. Sollte die Blasenschwäche danach wieder auftreten, kann man den kurzen Eingriff wiederholen.

Welche Risiken gibt es?

„Das ist natürlich formal ein invasiver Eingriff, der mit einer Blasenspiegelung einhergeht. Eine Blasenspiegelung ist jedoch für die Patientinnen und Patienten mit wenig Aufwand verbunden wird in den Uro-Praxen mehrfach täglich in örtlicher Betäubung durchgeführt.“ Dennoch gibt Björn P. Verdang zu bedenken, dass es bei jeder Blasenspiegelung zu einer Blasenentzündung kommen oder nach dem Eingriff ein Brennen bei Wasserlassen empfunden werden kann. „Das Hauptrisiko – oder besser: das einzige Risiko des Botox – ist, dass man die Blasenmuskulatur so erfolgreich supprimiert, dass es tatsächlich zu einer Harnverhaltung kommt. Das heißt, dass sich die Harnblase vorübergehend nur unvollständig entleert. Diese Komplikation habe ich in meinen zehn Jahren als Arzt allerdings nur selten miterlebt.“

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