Was passiert bei Vitamin D-Mangel?

In dem dritten Beitrag unserer Reihe zu Vitamin D erklärt Tina Postma, wie sich ein Mangel an Vitamin D auf unseren Körper auswirkt.

Alle Organe brauchen Vitamin D. Da fast jede Zelle unseres Körpers über Vitamin D-Rezeptoren verfügt, ist Vitamin D eine der Grundlage für die Funktion jeder einzelnen Zelle. Es beeinflusst somit fast alle Bereiche unserer Gesundheit, wie beispielsweise das Herz-Kreislaufsystem, das Immunsystem, Muskeln, Nerven und Gehirn. Vitamin D ist an unzähligen körperlichen Prozessen beteiligt.

Vitamin D-Mangel und mögliche Folgen

Nicht alle Symptome und Krankheiten sind nur auf einen Vitamin D-Mangel zurückzuführen, doch zeigen viele Symptome eine eindeutige Spätfolge eines langfristigen Vitamin D-Mangels. Eine Übersicht macht dies deutlich:

Zellgesundheit
Leistungsschwäche
Müdigkeit
Konzentrationsschwierigkeiten
Stimmungsschwankungen
Schwindel
Kopfschmerzen
frühzeitiger Tod

Knochen
Rachitis
Osteoporose
Osteomalzie
Erhöhte Gefahr von Brüchen

Immunsystem
Immunschwäche
Infektanfälligkeit
Atemwegserkrankungen
Autoimmunerkrankungen

Herz-Kreislaufsystem
Herzrhythmusstörungen
Kreislaufschwäche
Diabetes Mellitus

Muskeln
Muskelschwäche
Muskelschmerzen
Krämpfe

Nerven und Gehirn
Nervenschmerzen
Neurologische Erkrankungen
Depression
Demenz

Prostatakrebs Tumore wachsen schneller bei Vitamin D Mangel

Prostatakarzinome sind eine weitverbreitete Form von Krebs unter Männern. Amerikanische Wissenschaftler haben jetzt festgestellt, dass sich Prostatakrebs bei Männern aggressiver verhält, wenn diese unter Vitamin D Mangel leiden.

In einer Studie mit fast 200 Männern, deren Prostata entfernt wurde, konnte festgestellt werden, dass Menschen mit einem niedrigen Vitamin D-Spiegel eine höhere Wahrscheinlichkeit hatten, schnell wachsende Tumore zu entwickeln.1

Studien über Vitamin D-Mangel

Viele Studien belegen, dass ein niedriger Vitamin-D Spiegel mit einem deutlich erhöhten Risiko für einen frühen Tod einhergeht.2

„Vergleichbar mit einem zu niedrigen Ölstand des Motors, der die reibungslose Laufzeit ihres Motors verkürzt, steigert ein zu niedriger Vitamin-D-Spiegel ihr Risiko, vorzeitig zu versterben.“ Gröber & Holick3

Vitamin D-Status in Deutschland

Laut einer 2015 vom Robert-Koch-Institut international publizierten Studie, wiesen in den Jahren 1997-1999 23,6% der Frauen und 23,7% der Männer in Deutschland einen Vitamin D-Mangel auf. Zehn Jahre später, im Zeitraum von 2008-2011 stieg der Prozentsatz auf 29,7% bei Frauen und 30,8% bei Männern. Das bedeutet: Innerhalb von zehn Jahren ein Zuwachs von 25% Mangel an Vitamin D bei Frauen, 30% Steigerung des Mangels an Vitamin D bei Männern.

Eine weitere Studie des Robert-Koch-Instituts von 2008 mit Kindern zwischen dem ersten und sechzehnten Lebensjahr belegt, dass Kinder nur im ersten Lebensjahr ausreichend mit einem Vitamin D Spiegel von 30 ng/ml versorgt sind. Bei allen älteren Kindern wurde ein Vitamin D-Mangel nachgewiesen. Das liegt daran, dass Kinder nur im ersten Lebensjahr mit Vitamin D vom Arzt versorgt werden. Weil bekannt ist, dass ein Vitamin D-Mangel bei Kleinkindern Rachitis (Knochenverformung) mit bleibenden Schäden erzeugen kann.4

Vitamin D wird ab dem 2. Lebensjahr nicht mehr verabreicht

Leider wird ab dem zweiten Lebensjahr vom Arzt kein Vitamin D mehr verabreicht und die Kinder rutschen wieder in den Mangel. Viele Kinder in Deutschland wachsen also mit einem Vitamin D-Mangel auf. Wie sich das für sie in der Zukunft auswirkt, wenn sie im Wachstum mit Ihren Organen ohne ausreichendes Vitamin D aufwachsen, ist noch nicht ausreichend erforscht.

Dahingegen ist der Mangel wohl dokumentiert. Laut einer 2017 durchgeführten Studie der Ernährungsmedizin des allgemeinen Krankenhauses Wien verfügten nur 9,4 % von 138 Wiener Schulkindern zwischen elf und dreizehn Jahren im September und Oktober über einen Vitamin D-Spiegel über 30 ng/ml. Bei optimalen Bedingungen im Hochsommer mit genügend Sonneneinstrahlung hatte nur jedes zehnte Kind einen ausreichenden Vitamin D-Spiegel. Im darauffolgenden Winter wiesen nur noch 0,9 % einen normalen Vitamin D-Spiegel auf.5

Viele Studien belegen weltweiten Vitamin D Mangel

Schwedische Forscher untersuchten den Zusammenhang von Sonnenexposition und Sterblichkeit. Dazu untersuchten sie rund 30.000 schwedische Frauen in einem Zeitraum von20 Jahren. Die Studie wollte belegen, dass Frauen, die mehr in die Sonne gehen, eher sterben. Das Ergebnis stellte die These auf den Kopf: Bei Frauen, die die Sonne mieden, war die Sterblichkeitsrate doppelt so hoch wie bei den Sonnenanbeterinnen.6,7

Im nächsten Beitrag beschäftigt sich Tina Postma mit der Frage, wie Menschen Vitamin D ihrem Körper zuführen können.

Unsere Beitragsreihe zu Vitamin D

Tina Postma ist Medizinische Fachangestellte und arbeitet seit 15 Jahren in den Uro Praxen. Hier finden Sie alle Beiträge zur Reihe über Vitamin D.

1. Was ist eigentlich Vitamin D?
2. Wie Vitamin D unserem Körper & der Gesundheit hilft
3. Was passiert bei Vitamin D-Mangel?
4. Wie führe ich meinem Körper Vitamin D zu?

Quellen

  1. http://ascopubs.org/doi/full/10.1200/JCO.2015.65.1463?sid=3f1b999e-303f-4abe-948d-d5a9e08d94cc
  2. Zittermann A, von Helden R, Grant W, Kipshoven C, Ringe JD (2009) An estimate of the survival benefit of improving vitamin D status in the adult german population. Dermatoendocrinol 1:300–306 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3092570nner
  3. Autier P, Gandini S (2007) Vitamin D supplementation and total mortality: a meta-analysis of randomized controlled trials. Arch Intern Med 167:1730–1737 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17846391
  4. Gröber U, Holick MF (2013) Vitamin D. Die Heilkraft des Sonnenvitamins, 2nd ed. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart
  5. https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/2492/JoHM_2016_02_ernaehrung4.pdf?sequence=4&isAllowed=y
  6. www.thieme-connect.com/products/fournals/abstract/10.1055/s-0035-1550200
  7. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/joim.12496
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